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Der Stoff, aus dem
Wohnträume sind

Quelle: ihkmagazin Osnabrück - Emsland - Grafschaft Bentheim 12/2017 von Beate Bößl

Wie gut es gelingen kann, Tradition und Moderne zu kombinieren, das hat die Osnabrücker GEOS-Geilfuß GmbH kürzlich in einer Händlerbefragung der Fachzeitschrift BTH-Heimtex unter Beweis gestellt. In sechs Kategorien schaffte es der Spezialist für Heimtextilien auf den ersten Platz und brachte es damit im 86. Jahr seines Bestehens zur Überschrift: „Umfrage-Newcomer startet durch“. – „Wir und unsere Mitarbeiter freuen uns sehr darüber“, sagen Karl-Wilhelm Geilfuß und seine Tochter Katharina. Ihre Erfolgsgeschichte ist zugleich die vom Suchen und dem Finden einer Nachfolgelösung innerhalb der Familie.

Die Stoffe, mit denen Vater und Tochter handeln, sind Stoffe, aus denen Wohnträume sind: Möbelstoffe, Gardinenstoffe, Dekostoffe, funktionale Stoffe für den Sicht-, Sonnen- oder Schallschutz. Mal edel und glänzend. Mal leicht und fein strukturiert. Dann schwer und samten, ähnlich solchen auf Theaterbühnen. Rund 15000 unterschiedliche Stoff-Positionen stehen am Unternehmenssitz im Gewerbegebiet Fledder zur Auswahl. Solche Artikel noch nicht mitgezählt, die zum Anbringen oder Vervollständigen benötigt werden – etwa Schrauben oder auch Schaumstoffe als Polstermaterial.

Weg über den Fachhandel

Zum Endkunden gelangen all diese Waren ausschließlich auf dem Weg über den Fachhandel. Die Fachbezeichnung für dieses Branchensegment: Textilverlag. Und als ein solcher Textilverlag arbeitet GEOS – übrigens eine Kombination aus dem Familiennamen und dem Wort Osnabrück – mit einem Händlernetz von bundesweit rund 3000 Raumaustattern und Fachmärkten zusammen. „Die meisten davon haben ihren Sitz in den alten Bundesländern“, berichtet Katharina Geilfuß und fügt hinzu, dass es gute Kontakte auch ins EU-Ausland, etwa nach Belgien, in die Schweiz, nach Österreich oder Portugal gibt. Was die Kunden eint, sei die hohe Wertschätzung von Wohnen und Einrichtung. Ein Marktsegment, das in den vergangenen Jahren Verschiebungen erfahren hat. „Insbesondere, weil Urlaub und Elektronik an Stellenwert gewonnen haben“, erläutert Karl-Wilhelm Geilfuß. Was den Wettbewerb zusätzlich verschärfe, sei das „Trading Down“ der Luxusanbieter, die ihre Ware anpassen und damit in den Kundenkreis der Osnabrücker vordringen – „denn wir bewegen uns mit unseren Waren in mittleren und leicht gehobenen Preislagen.“

Umso wichtiger also, den Markt zu beobachten und Kundenwünsche zu kennen. Beides ist die Grundlage für die Stoffauswahl und die Eigenentwürfe, die in den aufwendigen Musterbüchern der jährlichen Kollektionen vorgestellt werden. „Wir profitieren von unserer soliden Geschäftstätigkeit und Sortimentspolitik“, sagen Vater und Tochter. Ihr Unternehmen beschäftigt aktuell knapp 50 Mitarbeiter, zehn davon im Außendienst, und erzielt einen jährlichen Umsatz von rund 10 Mio. Euro. Für den GEOS-Seniorchef ist das Wissen um die Erfolgsfaktoren etwas, das er sich bereits von seinem Vater Wilhelm abschauen konnte. Der entschied sich im Jahr 1931 für die Selbstständigkeit und gründete einen Stoffhandel in Osnabrücks Innenstadt. Sein Glück in schweren Zeiten: Er lagerte die Waren im Krieg aus, so dass sie Zerstörungen entgingen und ab 1945 ein Neubeginn an der Möserstraße in direkter Nähe des Bahnhofs - und damit des Handelszentrums der Stadt - möglich wurde.

Zwischenzeitlich: Teppiche

Zum Anfangssortiment des Gründers kamen bis Mitte der 1980er Jahre und bis zum Umzug ins jetzige Firmengebäude zwischenzeitlich Teppiche hinzu: „Viele Osnabrücker werden sich an unseren Namensschriftzug am Handelshaus in der Möserstraße erinnern“, sagt Karl-Wilhelm Geilfuß. Nachdem Anfang der 1960er Jahre seine Mutter und sein Bruder die Aufgaben vom verstorbenen Vater übernahmen, studierte er in Hamburg Betriebswirtschaftslehre und übernahm 1976 die Geschäftsführung. War es abszusehen, dass es innerhalb der Familie eine Nachfolgelösung auch für die dritte Generation geben würde? „Ich durfte jedenfalls beruflich immer machen, was ich wollte“, lacht Katharina Geilfuß und ihr Vater fügt hinzu: „Es war kein Zwang dabei. Es sind heute andere Zeiten als früher.“ Dass er seine Tochter vor fünf, sechs Jahren fragte, ob sie Lust habe, in den Betrieb einzusteigen und die heute 32-Jährige zustimmte: Beide sind heute froh über die Entscheidungen.

Als Katharina Geilfuß ihren Entschluss umsetzte, wurde daraus ein echter Neustart. Nach dem BWL-Studium in den Niederlanden und in England wechselte sie 2015 von ihrer Arbeitsstelle in Düsseldorf zurück an die Hase – „sozusagen als Geschäftsleitungs-Auszubildende“, sagt sie. Um dazuzulernen, durchlief sie alle Abteilungen, fuhr mit zu Messen wie der Heimtextil in Frankfurt a.M. und reiste mit den Vertriebsmitarbeitern zu den Lieferanten, die Stoffe anbieten bzw. nach den Wünschen von GEOS anfertigen. Anfangs noch nicht sicher, wie es ist, als Nachfolgerin ins Unternehmen aufgenommen zu werden, haben sich ihre Sorgen rasch aufgelöst: „Ich bin sehr offen aufgenommen worden, habe aber auch gemerkt, dass man sich gerade als junge Frau seine Anerkennung und Autorität in der Branche erarbeiten muss.“

2017 hat die Unternehmerin alle Prozesse im Hause durchlaufen und Neuerungen des Marktes aufgegriffen. Eine davon zeigt sie beim Firmenrundgang, holt ein Musterbuch hervor, in dem Kunden winzige Plissees als Beispiele für spätere Raumgestaltungen aufziehen können: „Für uns sind hochwertige Plissees ein Bereich, in dem wir jährlich ein zweistelliges Wachstum verzeichnen“, sagt Katahrina Geilfuß. Dass GEOS damit das Interesse der Kunden trifft, zeigt die aktuelle Auszeichnung in BTH-Heimtex. Dort ist „Produktqualität“ eine Kategorie, in der der erste Platz erreicht wurde. Außerdem gehören dazu die „Reklamationsbearbeitung“ oder auch die „Lieferzuverlässigkeit“. Letzteres ein 37 Faktor, der räumliche und finanzielle Kapazität bindet, aber genau das ist, was die Osnabrücker am Markt so besonders macht: „Wir haben 97% aller unserer Waren vorrätig.“